Altersrückstellung Private Krankenversicherung

Schutz im Alter

Die Altersrückstellung ist für die Private Krankenversicherung eine Art Fangnetz. Sie verhindert, dass die Prämien, die ein Versicherter für seinen Gesundheitsschutz zahlen muss, im Alter in schwindelerregende Höhen steigen. Mitglieder in der Privaten Krankenversicherung (PKV) können sich zwar über billige Prämien freuen. Das gilt aber nur, solange sie jung und gesund sind. Denn gesunde Versicherte verursachen kaum Kosten.

Werden privat Versicherte älter, nehmen sie auch häufiger Leistungen ihrer privaten Kasse in Anspruch. Weil die PKV Leistungen für alle ihre Mitglieder bereithalten und natürlich auch bezahlen muss, steigen die Prämien für Ältere an. Die Altersrückstellung für die Private Krankenversicherung schafft einen Puffer, mit dem die Erhöhung von Beiträgen abgefedert wird.

Sparen mit Beitragsteilen

Der Gesetzgeber verpflichtet die Gesellschaften, in der PKV Rückstellungen für das Alter zu bilden. Aus der eigenen Tasche tun das die Krankenversicherer jedoch nicht. Sie kalkulieren den Beitrag, den die Mitglieder in jedem Monat zahlen, entsprechend. Dabei dient die Prämie nicht vollständig zu Finanzierung der Leistungen der Versicherer für ihre Mitglieder. Einen Teil der Beiträge legen die Krankenversicherer an. Aus den gesparten Beitragsteilen aller bei der Gesellschaft versicherten Mitglieder bildet die PKV dann die Altersrückstellung für die Private Krankenversicherung, Sie heißt im Versicherungsdeutsch korrekt übrigens Alterungsrückstellung. Auch die Art und Weise, wie Beitragsteile zur Abfederung steigender Beiträge angespart werden, schreibt das Gesetz vor.

Private Krankenversicherung

Für alle Verträge, die von den Krankenversicherern seit den 1. Januar 2000 abgeschlossen wurden und in Zukunft abgeschlossen werden, müssen auf den monatlichen Beitrag zehn Prozent zur Altersrückstellung für die Private Krankenversicherung aufgeschlagen werden. Diesen Zuschlag zahlen alle betroffenen Versicherten zwischen ihrem 22. und dem 61. Lebensjahr. Die für die Rückstellungen vorgesehenen Beitragteile müssen die Versicherungsunternehmen mit Zinsen anlegen. Zum Abpuffern von Beitragserhöhungen jenseits des 65. Lebensjahres von Mitgliedern müssen die abgezweigten Teile des Beitrags vollständig verwendet werden. Der Abzug irgendwelcher Kosten ist nicht erlaubt. Die Zinsen, die erwirtschaftet wurden, werden in Höhe von 90 Prozent der Gemeinschaft der Versicherten gutschreiben. Feiert ein Versicherter seinen 80. Geburtstag, bekommt er vom Versicherer seine Altersrückstellungen praktisch geschenkt. Alles, was er bis zu diesem Tag von seinen Rückstellungen nicht aufgebraucht hat, muss der Versicherer zur Senkung seiner Beiträge einsetzen.

Kein individuelles Sparbuch

Die Bildung einer Altersrückstellung in der PKV hat nichts mit individuellem Sparen des Versicherten zu tun. Deshalb wird für ihn im Alter auch nicht das zur Entlastung der Beiträge eingesetzt, was er sich vorher, bildlich gesehen, auf die Seite gelegt hat. Die Alterungsrückstellung funktioniert wie ein Sparbuch im Kollektiv. Dabei sparen die einzelnen Alterskohorten in einem Tarif gemeinsam die Rückstellung an. Sind in einem bestimmten Tarif eine privaten Krankenversicherung viele Kunden, die seit langem dort versichert sind, sind auch die Mittel hoch, die zur Beitragsentlastung in diesem Tarif eingesetzt werden können.

Rückstellungen beim Wechsel des Versicherers

Dennoch haben Mitglieder in der privaten Krankenversicherung ein gewisses Recht an ihren Alterungsrückstellungen. Das zeigt sich immer dann, wenn sie mit ihrem Anbieter unzufrieden sind und deshalb den privaten Krankenversicherer wechseln wollen. Bis 2009 durften sie generell keine Altersrückstellungen mitnehmen, wenn sie ihrer privaten Krankenkasse den Rücken kehrten. Beim neuen Versicherer mussten sie erneut beginnen, solche Rückstellungen aufzubauen. Wer also seine PKV veränderte, schenkte der zurückbleibenden Gemeinschaft der Versicherten praktisch alle ihm zustehenden Altersrückstellungen. Ein PKV Beitragsvergleich brachte deshalb vor allem für ältere Mitglieder nicht viel.

Das hat sich zum 1. Januar 2009 durch eine Reform geändert. Damals hat die private Krankenversicherung die Altersrückstellung neu geregelt. Alle Kunden, die seit diesem Tag Mitglieder in der PKV wurden und es auch noch werden, dürfen einen Teil von ihren Alterungsrückstellungen mit zum neuen Anbieter nehmen. Mit dieser gesetzlichen Regelung wurde jedoch die Ungerechtigkeit nicht vollständig aufgehoben. Denn Mitglieder der PKV, die bereits vor 2009 bei einem Versicherer waren, hatten eine begrenzte Übergangszeit. Ein halbes Jahr lang hätten auch sie Rückstellungen zu einem anderen Anbieter mitnehmen können. Wer das nicht tat, etwa weil er mit seinem Versicherer zufrieden war, hat heute ein Problem. Möchte er zu einem neuen Versicherer wechseln, der ihm günstigere Beiträge bietet, bleiben seine Alterungsrückstellungen vollständig bei der alten Versicherungsgesellschaft.

Grenzen bleiben

Außerdem darf nur ein gewisser Teil der Alterungsrückstellungen mit zum neuen Versicherer. Dieser Teil wird vom Umfang bestimmt, den der Basistarif hat. Bei dem Basistarif handelt es sich um einen vom Gesetzeber vorgeschriebenen Einheitstarif. Er sichert PKV Mitgliedern ein Leistungsniveau, das dem der gesetzlichen Krankenkassen entspricht. Die Mitnahme von Anteilen in Höhe des Basistarifs gilt außerdem unabhängig davon, ob es sich beim Angebot des neuen Versicherers um einen Volltarif oder um den Basistarif handelt. Deshalb ist ein Wechsel in der PKV auch heute noch mit einem gewissen Verlust bei den Altersrückstellungen verbunden.

Besser innerhalb der Kasse wechseln

Eine Alternative gibt es jedoch, zu wechseln und die Alterungsrückstellungen völlig zu behalten. Alle Versicherten in der PKV dürfen sich nach einem günstigeren Tarif bei ihrer eigenen Versicherungsgesellschaft umsehen und dorthin wechseln. Wird von diesem Wahlrecht Gebrauch gemacht, wandern die Rückstellungen in ihrer gesamten Höhe mit. Ein Verlust ist damit ausgeschlossen. Dafür muss allerdings der neue und billigere Tarif dem Mitglied den gleichartigen Schutz wie der alte Tarif bieten. Weichen die Leistungen des neuen Tarifs dagegen ab, gelten gesonderte Bestimmungen.