Arbeitnehmeranteil Krankenversicherung

Der Chef zahlt mit

Das deutsche System der Sozialversicherungen beruht weitgehend auf einer paritätischen Finanzierung. Das bedeutet, Arbeitgeber und Versicherte zahlen die Beiträge jeweils zur Hälfte. Für die gesetzliche Krankenversicherung ist die gleichmäßige Verteilung der Beiträge seit Mitte 2005 aufgeweicht. Der Arbeitnehmeranteil an der Krankenversicherung ist für die meisten Versicherten deutlich höher als die Hälfte des Beitrags. Es gibt aber immer noch einen großen Zuschuss des Arbeitgebers.

Davon profitieren auch privat Versicherte.

Allgemeiner Beitragssatz wird geteilt, Zusatzbeitrag nicht

Die gesetzliche Krankenversicherung wird finanziert über einen allgemeinen Beitragssatz von 14,6 % des Einkommens, maximal berechnet von der Beitragsbemessungsgrenze. Dieser Beitragssatz ist weiterhin paritätisch verteilt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer tragen jeweils 7,3 %. Die GKV-Beiträge fließen in einen Gesundheitsfonds, der durch Steuerzuschüsse verstärkt wird. Allerdings reichen die Mittel trotzdem für die weitaus meisten Krankenkassen nicht aus. Die Finanzierung wird deshalb über einen variablen Zusatzbeitrag erweitert. Krankenkassen mit negativer Jahresbilanz müssen diesen Beitrag erheben. Schon im Durchschnitt liegt er über 1 %, nicht wenige Kassen müssen auch mehr als 1,5 % verlangen.

Private Krankenversicherung

Der Zusatzbeitrag wird vom Versicherten allein getragen. Der Arbeitnehmeranteil zur Krankenversicherung setzt sich also aus dem halben allgemeinen Beitragssatz und dem vollen Zusatzbeitrag zusammen. Diese gesetzliche Vorgabe sorgt immer wieder für Diskussionen, besonders im November, wenn die gesetzlichen Krankenversicherer die Höhe der Zusatzbeiträge für das neue Jahr bekannt geben. Kritiker des Verfahrens wenden ein, dass die Lasten aus Demografie und medizinischem Fortschritt allein den Arbeitnehmern aufgebürdet werden. Die Arbeitgeberseite verweist dagegen auf die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland durch hohe Lohnnebenkosten und die Gefährdung von Arbeitsplätzen durch Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer. Außerdem, so das Argument, seien die Unternehmen bereits durch die sechswöchige Lohnfortzahlung einseitig belastet.

Der Einfluss der Beitragsbemessungsgrenze

Sowohl der Arbeitgeberanteil als auch der Arbeitnehmeranteil an der Krankenversicherung werden bei gut verdienenden Beschäftigten nicht vom gesamten Einkommen erhoben, sondern höchstens von der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze. Auch lohnabhängige Leistungen wie etwa das Krankentagegeld nach Ende der gesetzlichen Lohnfortzahlung sind durch die Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt. Hintergrund dieser Regelung ist, dass die Leistungen der Krankenkassen, anders als bei Einführung der Sozialversicherung, kaum vom Einkommen des Versicherten abhängen. Während das Krankengeld ursprünglich rund 95 % der Kosten ausmachte, steht heute die Heilbehandlung im Vordergrund. Die Kosten hierfür steigen nicht mit dem Einkommen, im Gegenteil. Bezieher höherer Einkommen sind eher seltener krank, weil die Risiken körperlicher Berufsarbeit wegfallen. Da die Sozialversicherung grundsätzlich keine Subventionierung von Geringverdienern vorsieht, dient die Beitragsbemessungsgrenze einer dem Risiko entsprechenden Deckelung der Beiträge der Krankenkassen. Bis zu dieser Grenze findet natürlich trotzdem eine Umverteilung statt. Vermieden würde diese nur mit einer einkommensunabhängigen Pauschale (Kopfprämie), die aber aktuell politisch nicht gewollt ist.

Die Beitragsbemessungsgrenze ist eine wichtige Rechengröße der Sozialversicherung, die jährlich an das Einkommensniveau angepasst wird. Eine steigende Bemessungsgrenze führt bei Einkommensbeziehern oberhalb dieser Grenze auch automatisch zu steigenden Beiträge, da der Arbeitnehmeranteil zur Krankenversicherung mit halbem allgemeinen und vollem Zusatzbeitrag aus einem höheren Betrag berechnet wird. Auch die Kosten des Arbeitgebers steigen, wenn auch nur in Höhe des halben allgemeinen Beitragssatzes, bezogen auf die Veränderung der Beitragsbemessungsgrenze.

Die Auswirkungen auf die private Krankenversicherung

Während die gesetzliche Krankenversicherung im Wesentlichen unabhängig von der individuellen Risikosituation nach einem solidarischen Verfahren bezahlt wird, kalkulieren die privaten Versicherer nach dem Äquivalenzprinzip. Der Beitrag bemisst sich nach Alter und Gesundheitszustand jedes einzelnen Versicherten. Eine kostenfreie Familienversicherung gibt es demnach nicht. Natürlich spielen auch die vereinbarten Leistungen eine Rolle für die Beitragshöhe. Der Beitrag ist Bestandteil des Vertrages, Beitragsschuldner ist allein der Versicherungsnehmer als Vertragspartner. Von einem Arbeitnehmeranteil an der Krankenversicherung kann man bei privat Versicherten also streng genommen nicht sprechen.

Dennoch beteiligt sich der Arbeitgeber auch an den Kosten der privaten Krankenversicherung. Der Zuschuss beträgt genau die Hälfte des tatsächlich gezahlten Beitrags, ist aber begrenzt auf den höchstmöglichen Zuschuss, den auch ein gesetzlich versicherter Mitarbeiter bekommen würde. Dies sind 7,3 % des hälftigen allgemeinen Beitragssatzes, berechnet aus der jeweils gültigen Beitragsbemessungsgrenze. In der Praxis ergeben sich aus dieser Rechenlogik einige interessante Auswirkungen. Ein junger, gesunder PKV-Versicherter ohne Frau und Kinder zahlt üblicherweise einen so niedrigen Beitrag, dass er den höchstmöglichen Arbeitgeberanteil gar nicht ausschöpft. Dies bietet die Möglichkeit, den Versicherungsschutz zu erweitern, zum Beispiel um eine Komponente, die den Beitrag im Alter reduziert. Der darin enthaltene Sparvorgang wird durch den Arbeitgeberanteil mit finanziert, solange der Höchstzuschuss nicht erreicht ist. Beitragserstattungen beeinflussen den Zuschuss übrigens nicht. Zahlt Ihnen der Versicherer einen oder mehrere Monatsbeiträge zurück, weil Sie die Versicherung nicht in Anspruch genommen haben, müssen Sie diesen Verdienst nicht mit Ihrem Chef teilen. Umgekehrt zahlt der Arbeitgeber aber auch nicht die Hälfte einer Selbstbeteiligung. Tarife mit Eigenanteil haben deshalb nur Sinn, wenn der Arbeitgeberzuschuss bereits ausgeschöpft ist.

Mit dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben fällt der Arbeitgeberanteil weg. Während GKV-Versicherte künftig nur noch von der Rente oder anderen Alterseinkünften ihren Beitrag entrichten müssen, bleibt die Beitragshöhe für den Privatpatienten grundsätzlich unverändert. Die gute Nachricht: Auch die Rentenversicherung zahlt einen Zuschuss. Der wird zwar nur aus der Rente berechnet und fällt deshalb geringer aus als der bisherige Arbeitgeberanteil. Aber zusammen mit der oben empfohlenen Beitragsentlastungskomponente bleibt die PKV auch im Rentenalter bezahlbar.