Beitrag Krankenversicherung

PKV-Beitrag unabhängig vom Einkommen

Der Beitrag für die Krankenversicherung wird nach zwei völlig verschiedenen Methoden kalkuliert, je nachdem, ob es sich um eine gesetzliche Krankenkasse oder einen privaten Krankenversicherer handelt. Während die gesetzliche Krankenversicherung nach dem Solidaritätsprinzip einen bestimmten Prozentsatz des Einkommens erhebt, richtet sich der Tarif des Privatversicherers nach dem Risiko, insbesondere nach dem Alter bei Versicherungsbeginn und dem Gesundheitszustand des Versicherten.

Solidarität mit Grenzen

Als die deutsche gesetzliche Krankenversicherung vor über 130 Jahren entstand, war das Krankengeld noch die wesentliche Versicherungsleistung. Es ersetzt das ausfallende Einkommen, die Leistung ist also von der Lohnhöhe abhängig. Aus der historischen Entwicklung ist deshalb nachvollziehbar, dass auch der Beitrag in Prozent des Einkommens berechnet wird. Eine Subventionierung der Bezieher niedriger Einkommen durch Besserverdienende war ursprünglich nicht beabsichtigt.

Private Krankenversicherung

Heute sind die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen ganz anders zusammengesetzt: Das Krankengeld spielt eine untergeordnete Rolle, Kosten der Heilbehandlung machen den Löwenanteil aus. Letztere steigen aber keineswegs proportional mit dem Einkommen. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn in den unteren Lohngruppen mit körperlicher Berufsarbeit sind Krankheit und Arbeitsunfälle eher häufiger als in besser bezahlten Berufen.

Dennoch wird der Beitrag zur Krankenversicherung in der GKV auch heute noch am Einkommen gemessen. Die Alternative, ein pauschaler Beitrag pro Kopf, würde Menschen mit niedrigem Einkommen stärker belasten und ist deshalb politisch umstritten. Die Solidarität hat dennoch Grenzen: Die Beitragspflicht wird durch die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze gekappt. Vom Einkommen bis zur Bemessungsgrenze erhebt die Krankenversicherung Beitrag, Einkommensteile darüber bleiben außen vor. Allerdings werden auch einkommensabhängige Leistungen, insbesondere das erwähnte Krankentagegeld, maximal von der Beitragsbemessungsgrenze berechnet.

Paritätische Finanzierung ist durchbrochen

Neben dem Solidaritätsprinzip ist auch die paritätische Finanzierung einer der Grundpfeiler der Sozialversicherung in Deutschland. Das Prinzip besagt, dass die Beiträge jeweils hälftig von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen werden. Allerdings gilt dieser Grundsatz schon seit der Reform 2005 für die gesetzliche Krankenversicherung nur noch eingeschränkt.

Die seit 2015 bestehende und auch heute noch aktuelle Rechtslage sieht vor, dass lediglich ein allgemeiner Beitragssatz von 14,6 % des Einkommens paritätisch finanziert wird. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen also jeweils 7,3 %. Diese Beiträge fließen in den sogenannten Gesundheitsfonds, aus dem die Kassen nach einem komplexen System Mittel zugewiesen bekommen. Allerdings reicht den wenigsten gesetzlichen Kassen das Geld aus dem Gesundheitsfonds zur Deckung ihrer Kosten. Sie müssen dann individuelle Zusatzbeiträge erheben, die wie der allgemeine Beitragssatz in Prozent des Einkommens bemessen sind. Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied: Den Zusatzbeitrag zahlt der Arbeitnehmer allein, ohne Zuschuss vom Arbeitgeber. Da kann es sich schon lohnen, nach billigen Krankenkassen mit niedrigem Zusatzbeitrag Ausschau zu halten.

Private Versicherer kalkulieren nach dem individuellen Risiko

Der Beitrag zur Krankenversicherung bei einem privaten Versicherer ist dagegen völlig unabhängig vom Einkommen. Die wesentlichen Parameter, nach denen sich der Tarif richtet, sind das Eintrittsalter des Versicherten, also sein Lebensalter bei Vertragsbeginn, sein Gesundheitszustand, zum Beispiel bestehende Vorerkrankungen, und natürlich der gewählte Leistungsumfang. Eine substitutive Krankenversicherung ist eine Privatversicherung, die den vorgeschriebenen gesetzlichen Versicherungsschutz ersetzt. Sie muss also mindestens diesen Leistungsumfang abdecken, geht in der Regel aber weit darüber hinaus. Ein- oder Zweibettzimmer, Chefarztbehandlung oder Vorteile bei ambulanten Leistungen kosten natürlich Geld. Hinzu kommt das Krankentagegeld, dessen Berechnung in der PKV individuell nach dem persönlichen Bedarf erfolgt.

Aufgrund der strengen Beitragskalkulation nach dem Risiko gibt es auch keine kostenfreie Familienversicherung. Für jeden Versicherten, auch für den nicht arbeitenden Partner und für die Kinder, wird ein eigener Beitrag zur Krankenversicherung erhoben. Und beim Ausscheiden aus dem Erwerbsleben sinkt der Beitrag nicht wie in der gesetzlichen Versicherung, sondern muss in voller Höhe weitergezahlt werden.

Solange der Versicherungsnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, gibt es immerhin einen Zuschuss des Arbeitgebers. Dieser bemisst sich nach dem Höchstbeitrag des Arbeitgebers zur gesetzlichen Krankenversicherung, also 7,3 % aus der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze, die sich jährlich mit dem mittleren Einkommensniveau ändert.

Privat oder gesetzlich versichern?

Wer als Arbeitnehmer oberhalb der Versicherungspflichtgrenze verdient oder aus anderen Gründen, zum Beispiel als Selbstständiger, nicht gesetzlich pflichtversichert ist, hat die Qual der Wahl: Freiwillig bei der gesetzlichen Krankenkasse bleiben oder den Schritt in die Privatversicherung wählen? Die Entscheidung für die PKV sollte gut überdacht sein, denn der Rückweg ist schwierig, möglicherweise mit finanziellen Verlusten verbunden, und ab dem 55. Lebensjahr praktisch unmöglich.

Einen allgemein gültigen Rat in der Frage gesetzlich oder privat krankenversichert kann es nicht geben. Die Entscheidung hängt nicht nur vom Alter und der Gesundheit ab, sondern auch von der individuellen Lebensplanung, zum Beispiel der Absicht, eine Familie zu gründen. Einige Bedenken, die in Zusammenhang mit dem PKV-Beitrag immer wieder aufkommen, lassen sich aber vorab ausräumen.

Ein Beitrag zur Krankenversicherung nach dem Risiko bedeutet nicht, dass die Beitragshöhe mit dem Älterwerden automatisch steigt. Der Versicherer ist gesetzlich verpflichtet, Alterungsrückstellungen zu bilden. Auch Krankheit kann kein Grund für eine Beitragserhöhung sein. Mit dem Renteneintritt fällt zwar der Arbeitgeberzuschuss weg, aber auch der Rentenversicherungsträger übernimmt einen Teil der Kosten. Zudem gibt es die Möglichkeit, schon in jungen Jahren eine Beitragsentlastung im Alter zu versichern. Und schließlich gilt es zu bedenken, dass viele private Alterseinkünfte in der gesetzlichen Krankenversicherung beitragspflichtig sind, der Beitrag also vielleicht höher ist, als man denkt. In der PKV ist das Einkommen dagegen egal, denn der Beitrag ist vertraglich vereinbart.