Beitragsbemessungsgrenze Krankenversicherung

Beitragsbemessung

Die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung ist eine wichtige Rechengröße in der deutschen Sozialversicherung. Sie wird abgeleitet von der sogenannten Jahresarbeitsentgeltgrenze. Wer als Arbeitnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert ist, muss von seinem Bruttolohn, maximal aber von der Beitragsbemessungsgrenze einen prozentualen Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung entrichten. Beitragsbemessungsgrenzen gibt es auch für die gesetzliche Renten und Arbeitslosenversicherung. Deren Höhe unterscheidet sich aber von der Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung.

Die Beiträge richten sich nach dem Einkommen

Die Private Krankenversicherung (PKV) kalkuliert ihre Beiträge nach dem individuellen Risiko des Versicherten. Dies nennt man Äquivalenzprinzip, denn die Höhe der Beiträge ist äquivalent zum Risiko, das der Versicherer trägt. Die gesetzliche Krankenversicherung verfolgt dagegen das Solidaritätsprinzip. Unabhängig von Alter und Gesundheitszustand werden die Beiträge in Prozent des Einkommens berechnet. Damit wird die individuelle finanzielle Belastbarkeit des Versicherten zum Maßstab für die Beitragshöhe.

Private Krankenversicherung

Arbeitgeber und Arbeitnehmer tragen die Beiträge zur Sozialversicherung grundsätzlich je zur Hälfte. In der Krankenversicherung wird dieses Prinzip der paritätischen Finanzierung aber teilweise durchbrochen. Seit 2005 sieht die Verteilung wie folgt aus: Der allgemeine Beitragssatz wird vorweg um 0,9 Prozentpunkte gekürzt. Dieser Anteil muss vom Arbeitnehmer allein getragen werden. Erst der gekürzte Beitrag wird zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geteilt. Auch in der Pflegeversicherung zahlen kinderlose Arbeitnehmer einen Zuschlag von 0,25 Prozentpunkten, ohne dass sich der Arbeitgeber daran beteiligt.

Ein Deckel für die Beitragshöhe

Allerdings wird das Bruttoeinkommen bei gut verdienenden Arbeitnehmern nicht in voller Höhe für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge herangezogen. Die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung regelt, von welchem Gehalt maximal Beiträge zur Kranken und Pflegeversicherung abgeführt werden müssen. Die auf den ersten Blick ungerechte Bevorzugung von Beziehern hoher Einkommen ist aus der Historie der Sozialversicherung zu erklären. Grundsätzlich ist keine Umverteilung zwischen Geringverdienern und Besserverdienern vorgesehen. Deshalb orientieren sich auch Leistungen wie etwa das Krankengeld am Einkommen des Versicherten.

Die Beitragsbemessungsgrenze wird durch Rechtsverordnung festgelegt

Die wesentlichen Rechengrößen der Sozialversicherung sind dynamisch, das heißt, sie werden jährlich an die durchschnittliche Bruttolohnentwicklung je Arbeitnehmer angeglichen. Die Beitragsbemessungsgrenze der Kranken und Pflegeversicherung leitet sich dabei aus einer anderen Größe ab, der sogenannten Jahresarbeitsentgeltgrenze.

Davon gibt es sogar zwei, nämlich eine allgemeine und eine besondere Jahresarbeitsentgeltgrenze. Die besondere Jahresarbeitsentgeltgrenze ist gleichzeitig in der Krankenversicherung die Beitragsbemessungsgrenze. Die folgenden Angaben zur Entwicklung der Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung sind Jahreswerte, die Monatswerte stehen in Klammern dahinter:

2016: 50.850 EUR (4.237,50 EUR)

2015: 49.500 EUR (4.125,00 EUR)

2014: 48.600 EUR (4.050,00 EUR)

2013: 47.250 EUR (3.937,50 EUR)

Die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung darf nicht mit der Versicherungspflichtgrenze verwechselt werden. Die Bemessungsgrenze ist zunächst nur für die Frage des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Kranken und Pflegeversicherung von Bedeutung. Allerdings hängt, wie bereits erwähnt, auch die Berechnung des möglichen Krankengelds von der Beitragsbemessungsgrenze ab. Wer mehr verdient als die Bemessungsgrenze und gesetzlich krankenversichert ist, also Beiträge in eine freiwillige Versicherung bezahlt, sollte hier unbedingt zusätzlich privat vorsorgen, damit im Krankheitsfall nach Ende der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber keine finanziellen Lücken entstehen.

Die Versicherungspflichtgrenze entscheidet dagegen, ob ein Arbeitnehmer überhaupt in die gesetzliche Krankenversicherung muss oder ob er sich auf Wunsch privat versichern darf. Bis Ende 2002 waren besondere Jahresarbeitsentgeltgrenze und Versicherungspflichtgrenze identisch, und diese Regelung gilt auch weiter für alle Arbeitnehmer, die zum Stichtag 31. Dezember 2002 bereits in der Privaten Krankenversicherung waren. Ansonsten ist seit 2003 die neue, allgemeine Jahresarbeitsentgeltgrenze maßgeblich. Sie liegt wesentlich höher als die bisherige Grenze. Damit wird die Hürde für einen Wechsel von der gesetzlichen in die Privatversicherung deutlich erhöht, und die gesetzlichen Krankenkassen werden durch die Versicherung von Menschen mit höherem Einkommen gestärkt.

Ob sich ein Wechsel in die Privatversicherung lohnt, wenn die Beitragsgrenze der PKV überschritten ist, ist eine Frage von Alter, Gesundheit und persönlicher Lebensplanung. PKV-Rechner geben auch anonym Auskunft über die Höhe des zu erwartenden Beitrags. Dabei ist aber zu bedenken, dass es in der Privaten Krankenversicherung keine kostenfreie Familienversicherung gibt. Für jeden Versicherten, auch für einen nicht verdienenden Partner und die Kinder, sind eigene Beiträge zu zahlen. Mit Wegfall des Arbeitseinkommens im Rentenalter sinkt der Beitrag der PKV nicht automatisch, es gibt aber Tarife mit einer Beitragsentlastung für die PKV im Alter. Neben den Beiträgen sollten auch die Unterschiede in der medizinischen Versorgung und die Möglichkeit der Absicherung eines angemessenen Krankengeldes bei der Entscheidung für oder gegen die Private Krankenversicherung berücksichtigt werden.