Billige Krankenversicherung

PKV - billig und trotzdem gut?

Eine billige Krankenversicherung ist nicht unbedingt die beste Wahl. Wer nicht gesetzlich pflichtversichert ist, muss schon die Entscheidung über den Schritt in die private Krankenversicherung gut überdenken. Die getroffene Entscheidung bindet für lange Zeit. Ein Rückweg in das gesetzliche System der Sozialversicherung ist schwierig und ab dem 55. Lebensjahr nahezu unmöglich.

Auch die Entscheidung für einen bestimmten privaten Anbieter wird langfristig getroffen. Ein Wechsel ist in aller Regel mit finanziellen Nachteilen verbunden, umso mehr, je länger der Vertrag schon besteht. Die vorschnelle Entscheidung für das billigste Angebot ist deshalb keine gute Idee. Ein Blick auf die Finanzkraft des Versicherers und die Leistungsseite bewahrt vor einer teuren Fehlentscheidung.

Eine Krankenvollversicherung hat ihren Preis

Immer noch werden zahlreiche E-Mail-Briefkästen zugemüllt mit angeblichen Angeboten, die privaten Krankenversicherungsschutz für rund 50 EUR monatlichen Beitrag versprechen. Kurz und knapp: Das ist Unsinn. Kein Versicherer kann einen solchen Beitrag für einen erwachsenen Versicherten darstellen und davon nicht nur die umfassenden Leistungen finanzieren, sondern auch noch die gesetzlich vorgeschriebene Alterungsrückstellung bilden. Mittlerweile ist bekannt, dass hinter diesen Spam-Mails Adressensammler stecken, die niemals vorhatten, eine Krankenversicherung zu verkaufen. Die seriösen Versicherer gehen juristisch gegen diese Praxis vor, aber die praktischen Möglichkeiten sind begrenzt, wenn Mails aus dem Ausland verschickt werden. Also vertrauen Sie auch weiter auf Ihren gesunden Menschenverstand und fallen Sie nicht auf solche plumpen Maschen herein.

Private Krankenversicherung

Die Beitragshöhe in der privaten Krankenversicherung richtet sich - anders als bei den gesetzlichen Krankenkassen - nicht nach der Einkommenshöhe. Auch die Beitragsbemessungsgrenze spielt keinerlei Rolle. Die private Versicherungswirtschaft kalkuliert rein nach dem individuellen Risiko. Das ergibt sich in der Hauptsache aus dem Alter des Versicherten bei Vertragsbeginn und seinem Gesundheitszustand. Die Verträge sind so gestaltet, dass das Älterwerden oder später auftretende Krankheiten keinen Einfluss auf die Höhe der Beiträge haben können und dürfen. Die bereits erwähnte Alterungsrückstellung gleicht diese Einflüsse aus. Natürlich sind die Privatversicherer ebenso wie die gesetzlichen Krankenkassen von der allgemeinen demografischen Entwicklung und der Kostensteigerung durch medizinischen Fortschritt betroffen. Beitragserhöhungen sind deshalb auch hier regelmäßig erforderlich. Unten folgen noch ein paar gute Tipps, wie man hier sparen oder frühzeitig vorsorgen kann.

Eine Frage der Lebensplanung

Wer jung und gesund ist, hat gute Chancen, mit dem Wechsel in die PKV eine billige Krankenversicherung als Alternative zur freiwilligen Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse zu finden. Die Entscheidung für oder gegen die private Krankenversicherung hängt auch von der individuellen Lebensplanung ab. Wer eine Familie gründen möchte, muss wissen, dass der private Versicherer keine kostenfreie Familienversicherung kennt. Auch für den nicht arbeitenden Partner und die Kinder werden die Beiträge nach den oben dargestellten Prinzipien kalkuliert.

Neben dem Eintrittsalter und dem Gesundheitszustand spielt auch der gewählte Leistungsumfang eine Rolle für die Beitragshöhe. Während in der GKV rund 95 % der Versicherungsleistungen ohnehin im Sozialgesetzbuch festgeschrieben sind, gibt es bei den Privatversicherern deutlich größere Unterschiede. Ein Leistungsvergleich ist deshalb wichtig, außerdem aber auch ein Blick auf den Versicherer, seine finanzielle Leistungsfähigkeit und die Beitragsentwicklung in der Vergangenheit: Gab es früher auffällige Beitragssprünge, höher als im Markt üblich? Dann stimmt etwas nicht. Die anfangs noch billige Krankenversicherung hat möglicherweise ein Kostenproblem, oder ihre Bestände überaltern. Auf lange Sicht kann das teuer werden.

Der Chef zahlt mit

Wie für die gesetzliche Krankenversicherung gibt es auch einen Arbeitgeberanteil zur PKV. Der Zuschuss ist die Hälfte des tatsächlich gezahlten Beitrags für die Krankheitskosten- und Krankentagegeldversicherung. Anders als in der GKV, in der die Versicherten den von den meisten Kassen erhobenen Zusatzbeitrag allein zahlen, gibt es hier noch eine echte paritätische Finanzierung.

Allerdings ist die Höhe des Arbeitgeberanteils gedeckelt. Der Maximalbetrag ist die Summe, die ein Arbeitgeber auch für einen gesetzlich Versicherten zahlen müsste. Der Höchstzuschuss wird also berechnet aus dem hälftigen allgemeinen Beitragssatz, das sind 7,3 %, multipliziert mit der jeweils gültigen Beitragsbemessungsgrenze. Diese wird jedes Jahr dem Lohnniveau angepasst. Bei einem Versicherten in einer gesetzlichen Kasse, der oberhalb der Bemessungsgrenze verdient, führt diese Anpassung regelmäßig zu einer Preissteigerung seiner Versicherung. Der sozialversicherungspflichtig beschäftigte Privatpatient kann sich dagegen freuen, denn mit der Beitragsbemessungsgrenze steigt auch der höchstmögliche Arbeitgeberanteil.

So begegnen Sie steigenden Beiträgen

Unsicherheiten vor dem Wechsel in die PKV gibt es immer wieder wegen der Finanzierung der Beiträge im Alter. Selbst wenn eine Preisanpassung wegen Alter und Krankheit nicht möglich ist, bleiben immer noch die Steigerungen aus der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung und den Kosten des Gesundheitssystems. Im Laufe der Jahre ist manche scheinbar billige Krankenversicherung zu einem teuren oder sogar unbezahlbaren Luxus geworden.

Es gibt aber viele Möglichkeiten, einen Wechsel in den unattraktiven Basistarif oder sogar den Notlagentarif zu vermeiden. Fragen Sie Ihren Versicherer nach einem anderen Vertrag. Denn wenn ihr derzeitiger Tarif nicht mehr verkauft wird und keine jungen Versicherten mehr hinzukommen, überaltert der Tarif und wird überproportional teuer. Ein einfacher Tarifwechsel beim selben Versicherer ermöglicht oft einen wesentlich niedrigeren Beitrag bei praktisch identischen Leistungen. Und lassen Sie sich nicht abwimmeln: Auf den Tarifwechsel haben Sie einen Rechtsanspruch.

Der zweite Tipp betrifft den Wegfall des Arbeitgeberzuschusses mit dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. Zwar zahlt der Rentenversicherer einen Anteil an der Krankenversicherung, der aber in aller Regel niedriger ist als das, was der Arbeitgeber zugeschossen hat. Versichern Sie deshalb gleich zu Beginn eine Komponente zur Beitragsentlastung in der PKV im Alter. Wer früh damit anfängt, zahlt einen sehr überschaubaren Zuschlag, an dem sich der Arbeitgeber sogar beteiligt, wenn der Höchstzuschuss noch nicht ausgeschöpft ist.