Gesetzliche Krankenkasse

Die Pflicht zur Krankenversicherung

Etwa 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland erhalten die Leistungen für ihre Gesunderhaltung durch eine gesetzliche Krankenkasse. Diese gesetzlichen Kassen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Organisatorisch und finanziell sind sie deshalb vollkommen unabhängig. Gemeinsam tragen sie das System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Ihr Prinzip ist das der Solidarität.

Das heißt nichts anderes, als dass jeder Versicherte durch die gesetzliche Krankenkasse die Leistungen erhält, die medizinisch notwendig sind. Wie hoch sein Einkommen ist und welche Beiträge er in die gesetzliche Krankenkasse zahlt, spielt für die Leistungen keine Rolle. Gesetzliche Krankenkassen gibt es in Deutschland seit 1883. Heute hat die GKV über 51 Millionen Mitglieder. Zählt man die beitragsfrei mitversicherten Familienangehörigen mit, erhalten sogar über 70 Millionen Menschen regelmäßig Leistungen. Mit Ausgaben von insgesamt über 250 Milliarden Euro nimmt Deutschland bei den Gesundheitskosten international einen Spitzenplatz ein.

Pflicht zu Versicherung

In Deutschland sollte es eigentlich nicht vorkommen, dass jemand ohne eine Krankenversicherung dasteht. Deshalb gibt es für eine große Gruppe von Menschen die Versicherungspflicht in einer gesetzlichen Krankenkasse. Grundsätzlich muss etwa jeder Arbeitnehmer, der gegen Lohn arbeitet, und jeder Auszubildende einer gesetzlichen Krankenkasse beitreten, die er selbst auswählen darf. Diese Kasse muss ihn auch aufnehmen und darf ihn nicht wegen eventueller Vorerkrankungen ablehnen. Auf die gleiche Weise versichert werden unter anderem auch Empfänger von Arbeitslosengeld I oder Arbeitslosengeld II, behinderte Menschen, Jugendliche in bestimmten sozialen Einrichtungen, Rentner und Studenten. Versicherungsfrei sind dagegen Arbeitnehmer, deren jährliches Gehalt über einer bestimmten Grenze, der Versicherungspflichtgrenze, liegt. Diese Grenze wird per Gesetz regelmäßig angepasst. Auch wer einen Minijob hat, ist versicherungsfrei. Nach dem 55. Lebensjahr kommt man übrigens nicht mehr in eine gesetzliche Krankenkasse hinein, selbst wenn das Einkommen dann unter die Versicherungspflichtgrenze rutscht und eigentlich Versicherungspflicht bestehen würde. Der Gesetzgeber will auf diese Weise verhindern, dass Menschen, die in jungen Jahren preisgünstig privat versichert waren, im Alter in die GKV zurück gehen, um von niedrigeren Beiträgen und dem Prinzip der Solidarität zu profitieren.

Beiträge nach wirtschaftlicher Leistungskraft

GKV: Krankenkassen im Vergleich

Denn das ist ein großer Vorteil in der gesetzlichen Krankenversicherung: Jeder zahlt Beiträge nach seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und zwar in Höhe eines prozentualen Anteils an seinem Einkommen. Derzeit beträgt dieser allgemeine Beitragssatz in der GKV 14,6 Prozent. Die Beiträge werden außerdem nicht nur vom Mitglied allein getragen. Auch Arbeitgeber oder die gesetzliche Rentenkasse, bei Rentnern und Erwerbsgeminderten, zahlen einen Teil des Beitrags, genauer gesagt, 7,3 Prozent. Kommt eine gesetzliche Kasse nicht mit dem Beitrag aus, darf sie einen Aufschlag, den so genannten "kassenindividuellen Zusatzbeitrag", kassieren. Dieser wird, im Gegensatz zu früher, nicht mehr als fester Betrag erhoben sondern ebenfalls als ein Prozentsatz auf das Einkommen des Mitglieds. Der Arbeitgeber muss sich am Zusatzbeitrag nicht beteiligen. Wie hoch er ist, muss die Kasse in ihre Satzung schreiben. Erhöhen kann sie ihn dann nur durch eine Satzungsänderung.

Liegt das Einkommen eines Arbeitnehmers über der Pflichtversicherungsgrenze, wird er nicht automatisch ausgeschlossen. Als Mitglied kann er weiterhin freiwillig in der Kasse versichert bleiben. Das gilt auch für Arbeitnehmer, wenn sie sich selbständig machen. Dabei ist wichtig, dass die Absicht, freiwillig Mitglied zu bleiben, der Kasse innerhalb von drei Monaten nach Ablauf der Pflicht zur Versicherung mitgeteilt wird. Sonst geht der Anspruch verloren. Ein freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Kasse muss dann aber auf sein gesamtes Einkommen Beiträge zahlen. Wer in der GKV pflichtversichert ist, bekommt seine Beiträge auf sein Einkommen dagegen nur bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze berechnet. Außerdem profitieren gesetzlich Versicherte von einem besonderen Plus der GKV, der Familienversicherung. Sie bedeutet: Ehepartner, die kein eigenes Einkommen haben, und Kinder sind automatisch und ohne Zuschlag mitversichert. Beitragsfrei mitversichert sind übrigens auch gleichgeschlechtliche eingetragene Lebenspartner. Ist der Ehepartner oder Lebensgefährte allerdings im Hauptberuf selbständig erwerbstätig oder auf Antrag von der Versicherungspflicht befreit ist, ist eine beitragsfreie Mitversicherung nicht möglich. Das gleiche gilt auch während des Mutterschutzes und der Elternzeit, wenn eine gesetzliche Krankenversicherung vorher nicht bestanden hat.

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse

Jedes Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse erhält die gleichen Leistungen. Das ist im Sozialgesetz festgelegt. Damit hat jede Krankenkasse die gesetzliche Pflicht, in jedem Fall eine medizinische Grundversorgung abzusichern, unabhängig davon, welches Einkommen das Mitglied bezieht oder wie alt es ist. Die Ansprüche auf Leistungen sind ebenfalls im Gesetz festgeschrieben. Sie sollen Krankheiten früh erkennen, vermeiden oder lindern. Wie hoch diese Leistungen sind oder welchen Umfang sie exakt umfassen, dafür gibt es keine Garantie. So kann der Gesetzgeber den Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen jederzeit neu festlegen. Von sich aus darf eine gesetzliche Kasse die garantierten Leistungen allerdings nicht streichen. Änderungen durch den Gesetzgeber beziehen sich deshalb immer auf die Leistungen aller gesetzlichen Kassen.

Zusätzlich zu den vom Gesetzgeber vorgegebenen Leistungen kann eine gesetzliche Krankenkassen jedoch weitere Leistungen festschreiben. Welche Leistungen sie dabei zusätzlich aufnehmen will, bleibt ihr überlassen. Möglich ist also alles, von Homöopathie über alternative Medizin und Behandlungsmethoden, Impfschutz bei Reisen bis hin zu Gesundheitskursen in der Freizeit oder im Urlaub. In diesem Bereich nimmt der Wettbewerb immer mehr zu. Deshalb lohnt sich gerade hier ein Vergleich der Leistungen. Abgerechnet werden die Leistungen nach dem "Sachmittelprinzip". Das bedeutet, dass sich die Kasse direkt mit dem Krankenhaus oder dem Arzt ins Benehmen setzt. Vorfinanzieren, wie bei der privaten Krankenversicherung, müssen Patienten einer Kasse nichts. Allerdings erfahren sie so auch nicht, wie hoch die Kosten für die Behandlung sind. Bei der Wahl des Arztes ist das Mitglied außerdem frei. Einzige Voraussetzung: Der Arzt der Wahl muss kassenärztlich zugelassen sein. Dann werden die Kosten auch direkt von der Krankenversicherung übernommen. Zugezahlt werden dagegen muss bei verordneten Therapien. Ein Eigenanteil wird bei Medikamenten fällig. Dienen die Arzneimittel aber der Behandlung von geringfügigen Störungen der Gesundheit, leisten die gesetzlichen Kassen nichts mehr.