Krankenversicherungsbeiträge

PKV-Beiträge bezahlbar halten

Regelmäßig geistern Meldungen durch die Presse, dass Kunden der privaten Krankenversicherer deutliche Beitragssprünge verkraften müssen. Auch potenzielle Neukunden, die als Selbstständige oder gut verdienende Arbeitnehmer freiwillig in der GKV versichert sind, sind irritiert. Lohnt ein Wechsel in die PKV? Ist der Krankenversicherungsbeitrag für mich im Alter überhaupt noch bezahlbar? Ein Blick auf die Ursachen des Beitragsanstiegs und ein Vergleich zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung schafft Transparenz.

Kein Krankenversicherer entzieht sich vollständig dem demografischen Wandel

Krankenversicherungsbeiträge steigen nicht allein deshalb, weil der einzelne Versicherte älter wird und damit anfälliger für Krankheiten. Der Mehraufwand hierfür ist kalkuliert, und der Versicherer bildet eine Altersrückstellung. Dieses Verfahren ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Gesellschaft wird im Durchschnitt älter, weil die deutschen Babyboomer-Jahrgänge, überspitzt formuliert, selbst nicht für genügend Nachwuchs gesorgt haben. Während nach dem sogenannten Generationenvertrag der Sozialversicherung immer mehr Rentner durch die Beiträge der Erwerbstätigen versorgt werden müssen, sorgt die individuell für jeden Versicherten aufgebaute Kapitaldeckung in der PKV grundsätzlich für ein stabiles Beitragsniveau.

Private Krankenversicherung

Aber auch die privaten Versicherer sind vom demografischen Wandel betroffen. Die Lebenserwartung jedes Einzelnen steigt, und damit reichen die Alterungsrückstellungen möglicherweise nicht mehr aus. Das Problem verschärft sich durch das jahrelang extrem niedrige Zinsniveau. Das zurückgestellte Kapital vermehrt sich nicht mehr so, wie ursprünglich von den Versicherern kalkuliert. Wenn dann auch noch medizinischer Fortschritt aus den Versicherungsbeiträgen finanziert werden muss, halten die vereinbarten Beiträge mit den Ausgaben für Versicherungsleistungen nicht mehr Schritt. Beitragserhöhungen sind die zwingende Folge.

Auch die gesetzliche Krankenversicherung wird teurer

Während die PKV Beiträge nach dem Äquivalenzprinzip berechnet, also jeder für sein eigenes Risiko zahlt, gilt in der gesetzlichen Krankenversicherung das Solidaritätsprinzip, das heißt die Beiträge für die Krankenkasse werden nach Leistungsfähigkeit erhoben.

Der eigentlich in Stein gemeißelte Gedanke einer paritätischen Finanzierung der Sozialversicherung, also gleicher Lasten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ist in der gesetzlichen Krankenversicherung schon seit 2005 durchbrochen. Die Krankenversicherungsbeiträge werden aktuell aufgeteilt in einen allgemeinen Beitragssatz von 14,6 %, der hälftig getragen wird, und einen von der Krankenkasse festzusetzenden Zusatzbeitrag, den allein der Arbeitnehmer zahlt. Da der allgemeine Beitragssatz eingefroren ist, gehen Kostensteigerungen über den Zusatzbeitrag allein zu Lasten des Arbeitnehmers.

Beschäftigte mit einem Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze haben zudem noch Jahr für Jahr eine weitere Beitragserhöhung zu verkraften: Da die Beitragsbemessungsgrenze dem steigenden Lohnniveau angeglichen wird, zahlen sie den halben allgemeinen Satz und den vollen Zusatzbeitrag jeweils von der höheren Einkommensgrenze.

Lebensplanung bedenken

Wer die Wahl hat zwischen Verbleib in der GKV und Wechsel in die PKV, muss die Entscheidung gut vorbereiten. Eine Rückkehr ist schwierig oder unmöglich, selbst der Wechsel des PKV-Versicherers ist nur mit finanziellen Verlusten möglich, besonders wenn das Versicherungsverhältnis langjährig besteht. Entscheidend sind die aktuelle Situation und die weitere Lebensplanung. Wer jung und gesund ist, erhält in der PKV einen wesentlich besseren Versicherungsschutz, oft sogar zu einem geringeren Beitrag als in der GKV. Allerdings gibt es beim Privatversicherer keine kostenfreie Familienversicherung. Steht die Gründung einer Familie an, müssen Sie Beitragszahlungen für einen nicht arbeitenden Partner und Kinder deshalb mit einkalkulieren.

Sorge bereitet vielen Versicherten und Interessenten der PKV die Entwicklung der Krankenversicherungsbeiträge mit dem Ausstieg aus dem Erwerbsleben. Während sich die Beiträge zur Sozialversicherung dem niedrigeren Ruhestandseinkommen anpassen, wird der vertraglich vereinbarte PKV-Beitrag auch weiterhin in voller Höhe fällig, und der Arbeitgeberzuschuss fällt weg. Zwar gibt der Rentenversicherungsträger einen vergleichbaren Zuschuss, dieser wird aber nur von der Rente berechnet und fällt damit in aller Regel deutlich niedriger aus als der bisherige Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung. Diese Argumente sind nicht von der Hand zu weisen, es gibt aber auch eine andere Seite. Während die Krankenversicherungsbeiträge und auch die Leistungen in der PKV vertraglich festgeschrieben sind, richtet sich der Beitrag in der GKV nach dem Einkommen. Viele Menschen übersehen, dass nicht nur die gesetzliche Rente zum Einkommen zählt, sondern auch zum Beispiel Leistungen aus einer betrieblichen oder privaten Altersvorsorge. Selbst wenn man statt einer Rente die Kapitalabfindung wählt, wird der Betrag auf zehn Jahre verteilt und ist für diese Zeit beitragspflichtig. Die Beiträge zur GKV fallen also in der Rente oft viel höher aus als angenommen, und die Leistungsseite ist unsicher, da sie durch gesetzliche Vorgaben statt durch einen Vertrag geregelt ist.

Beitragsentlastung im Alter frühzeitig vereinbaren

Niemand steht ohne Versicherungsschutz da, wenn er im Alter seinen Krankenversicherungsschutz in der PKV nicht mehr bezahlen kann. Der Wechsel in den Basistarif begrenzt den Beitrag auf die Summe, die auch in der GKV maximal zu zahlen wäre, aber auch die Leistungen entsprechen nur noch dem GKV-Niveau. Wer auch diesen Beitrag nicht aufbringen kann, wird über einen Notlagentarif aufgefangen.

Um erst gar nicht in diese Situation zu kommen, gibt es zwei gute Ratschläge:

1. Vereinbaren Sie eine Beitragsentlastung im Alter. Während Ihres Arbeitslebens zahlen Sie einen höheren Beitrag, der Ihnen im Ruhestand zugutekommt. Ist der Zuschuss noch nicht voll ausgeschöpft, beteiligt sich sogar der Arbeitgeber an dieser Tarifkomponente.

2. Überprüfen Sie regelmäßig die Krankenversicherungsbeiträge und fragen Sie Ihren Versicherer nach einem günstigeren Tarif. Wird Ihr Tarif nicht mehr im Neugeschäft verkauft, besteht die Gefahr, dass der Bestand überaltert und die Beiträge deswegen überproportional steigen. Mit dem Wechsel in einen jüngeren Tarif verändern sich die Leistungen oft gar nicht oder nur minimal, aber der Krankenversicherungsbeitrag fällt deutlich günstiger aus. Verträge mit Selbstbeteiligung sind meist selbst dann günstiger, wenn Sie den Eigenanteil voll ausschöpfen, da der Versicherer Verwaltungskosten spart.