Krankenversicherungspflicht

Pflicht zur Krankenversicherung

In Deutschland gilt für alle Personen die allgemeine Krankenversicherungspflicht, das heißt die Krankenversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben. Damit wird ein solidarischer Ausgleich zwischen Personen mit niedrigen und hohen Krankheitsrisiken angestrebt und im Falle einer Erkrankung durch Kostenübernahme für medizinische Behandlungen gesorgt.

Zwei Versicherungssysteme

Es wird in das gesetzliche sowie das private Krankenversicherungssystem unterschieden. Während sich bei den gesetzlichen Krankenkassen die Beiträge ausschließlich nach der Einkommenshöhe richten, sind bei privaten Krankenkassen Alter und Krankheitsrisiken mitbestimmend. Die Leistungen der Kassen entsprechen den erworbenen Ansprüchen in Form von Kostenerstattungen für Therapien oder Sachleistungen im Krankheitsfall.

GKV: Krankenkassen im Vergleich

Das gesetzliche Krankenversicherungssystem umfasst pflichtversicherte Arbeitnehmer, Landwirte, freischaffende Künstler, Studenten und Rentner sowie freiwillig versicherte und familienversicherte Mitglieder. In der privaten Krankenversicherung sind hauptsächlich Selbständige, Freiberufler und Beamte Mitglied. Einzig wer einen anderweitigen Anspruch auf Leistungen im Krankheitsfall hat, muss weder einer gesetzlichen noch privaten Krankenkasse beitreten. Dies sind Personen mit Anspruch auf freie Heilfürsorge, wie Soldaten und Polizisten, Personen mit Anspruch auf Gesundheitsfürsorge nach dem Strafvollzugsgesetz und Personen mit Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Nachzahlungen für Unversicherte

Wer, von diesem Personenkreis, abgesehen keinen Versicherungsschutz hat, muss bei Wiedereintritt mit rückwirkenden Zahlungen plus Säumnisgebühr rechnen und kann so in eine Schuldenfalle geraten. Bei gesetzlichen Krankenkassen werden alle fehlenden Beiträge, die nach dem 01.04.2007 angefallen sind, nachträglich erhoben. Private Krankenkassen fordern Beiträge ab dem 01.02.2009 zurück und beschränken sich auf maximal 14 Monatsbeiträge. Aufgrund dieser Rückforderungen vermeiden es manche Personen, sich neu krankenversichern zu lassen.

Die Zuweisung der Zugehörigkeit in das private bzw. gesetzliche Krankenversicherungssystem für Nichtversicherte erfolgt über die letzte Zugehörigkeit. Ist jemand noch nie versichert gewesen, so ist die hauptberufliche Tätigkeit ausschlaggebend. Bei Selbständigen und Beamten ist dies die private Versicherung. Für die gesetzlichen Krankenkassen gibt es eine Aufnahmeverpflichtung für Personen, die der gesetzlichen Krankenversicherung zugeordnet werden. Für private Krankenversicherungsunternehmen gibt es eine Aufnahmeverpflichtung für die ihnen zugeordneten Personen, mindestens im Basistarif. Diese Grundversicherung ist nach Art und Umfang mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen vergleichbar. Bei Arbeitslosigkeit müssen auch Empfänger von Hartz-IV-Leistungen privat versichert bleiben, wenn sie vorher bereits bei einer privaten Versicherung Mitglied waren. Die monatlichen Beiträge werden in diesem Fall jedoch, ebenso wie bei gesetzlich krankenversicherten arbeitslosen Personen, vom Leistungsträger des Staates übernommen.

Versicherungspflicht vs. Krankenversicherungspflicht

Eine Befreiung von der Versicherungspflicht bezieht sich lediglich auf die gesetzlichen Krankenkassen und bedeutet keine generelle Befreiung von der Krankenversicherungspflicht. Sie besagt stattdessen, dass ein Wechsel in eine private Krankenkasse möglich ist, zum Beispiel für Arbeitnehmer, die mit ihrem Einkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze von derzeit 54.900 Euro überschreiten. Anstatt zur privaten Krankenkasse zu wechseln, können diese Personen jederzeit in der gesetzlichen Krankenkasse verbleiben, was als freiwillige Versicherung bezeichnet wird.